Sonntag, 9. Februar 2014

Meine Verändeung im Auslandssemester

Meine Zeit in Madrid neigt sich dem Ende zu, ich resümiere was ich erlebt habe, was passiert ist und was ich gelernt habe. Und ich möchte das festhalten für mich und auch vielleicht für den ein oder anderen, der sich fragt, was man in so einem Auslandssemester lernen kann. Manchmal tut es gut seine Gedanke aus sich herausfließen zu lassen, man fühlt sich klarer und geordneter. Und so wird dieser Post vielleicht ein wenig Seelenstriptease. Frei aus dem Herzen herraus, weil es mitten unter der Woche ist und die Winternacht an meinem Fenster klebt.
Nun bin ich seit knapp sechs Monaten in Madrid. Als ich mein Jahr im Ausland antrat war ich voller Sorgen und Gefühle. Ich denke das geht den meisten so. Die Aufregung, das Ungewisse, die Spannung.
Abschiede hasste ich schon immer und ich betrat das Flugzeug das mich nach Madrid bringen würde mit gemischten Gefühlen. Ich freute mich einerseits, dass es endlich losging und ich danach um viele Erfahrungen reicher sein würde. Andererseits konnte ich mir ein Alltag ohne mein Umfeld, meine Freunde und Familie nicht vorstellen. Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin ein selbstbewusster und eigenständiger Mensch, aber für mich war diese Erfahrung neu und so konnte ich mir ein Leben ohne das was ich kannte einfach nicht vor Augen führen.
Das machte mir Angst und vor meinem Auslandssemester war ich teilweise regelrecht panisch (und es kostet mich tatsächlich etwas Überwindung dies hier zu schreiben, denn eigentlich würde ich mich ja euch viel lieber sehr lässig und unerschrocken zeigen). Ich denke es hilft vielleicht auch dem ein oder anderen mehr, wenn ich ganz deutlich sage wie es mir damals ging.
Ich wollte aber gehen, denn ich wollte nicht akzeptieren das Ängste und Sorgen mir so ein wichtiges Erlebniss verhindern.
Es war einfach so, dass ich mich nicht bestimmen lassen wollte, wer ich sein soll. Ängste sollten mir nicht diktieren wer ich bin und was ich machen und lassen kann. Ich wollte nicht fremdbestimmt sein. Für mich und mein Sein, darf es keine Grenzen geben, auch keine die ich mir selber auferlege!
Hätte ich kein Auslandssemester gemacht, dann hätte ich meinen Ängsten nachgegeben und wäre niemals der Mensch geworden, der ich sein wollte. Ich wäre so unzufrieden mit mir, dass ich nicht glücklich mit mir geworden wäre. Ich hätte mich dann auch so vieles anderes in meinem Leben nicht getraut. Wäre eher zurückgeschreckt als mutig vorangeschritten und genau das wollte ich nicht sein. Also musste ich um meinetwillen weggehen.
Das waren meine Gedanken bevor ich aufbrach. Ich glaubte, ich könnte so einiges nicht alleine schaffen, das ich meinen Alltag zu sehr vermissen würde und ich nur in einem sicheren Umfeld stark wäre. Als ich allerdings in Madrid ankam merkte ich schnell, dass ich mich falsch verstanden hatte. Ich hatte gar keine Angst alleine zu sein, was mich lediglich beunruhigt hatte war die Ungewissheit. Ich hatte es einfach nicht gemocht, keine Ahnung zu haben was auf mich zukommen würde und das hatte mir Angst gemacht. Einmal in Madrid und mein neues Umfeld entdeckt, konnte ich wunderbar mit allem umgehen.
Ich mag es Dinge einschätzen zu können, mag es Pläne zu haben, mag es mich vorzubereiten. Dies habe ich hier erkannt. Wenn ich überblicken kann, was passiert und ich mich darauf einstellen kann, dann kann ich alles schaffen. Und so war meine ganze Nervosität vor dem Aufbruch nur der Tatsache geschuldet, dass ich nicht wusste was auf mich zukommt.
Doch auch mit unüberschaubaren Situationen lernte ich umzugehen. Als meine Mitbewohnerinnen und ich Hals über Kopf aus dem Wohnung ausziehen mussten und wir noch keine Ahnung hatten, wo wir hin konnten, da lernte ich das ich auch mit Ungewissheit klarkommen kann. Klarkommen MUSS!
Ich fühlte mich zuerst orientierungslos und hilflos, doch ich musste nun schauen wie ich damit zurecht kam. Und auch daraus lernte ich und ich glaube es war eine der wichtigesten Erfahrungen. Keine Familie, kein T. der einem Arbeit abnahm und einen sicheren Rückzugsort bereitstellte, wenn einem alles zu viel wurde. Aber ich lernte: es geht weiter. Am Ende gibt es ein Resultat, man muss nur daran arbeiten. Alles kann geschafft werden, man muss es nur anpacken und sich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf ziehen.
All die Zeit vor meinem Auslandsufenthalt dachte ich: Wenn du wieder da bist, wird alles gut sein. Dann habe ich es geschafft und ich habe meine Ängste besiegt. Dann bin ich frei davon."
Wie falsch das ist, habe auch ich jetzt verstanden. Natürlich bin ich meinen Ängsten entgegen getreten und habe auch einige bezwungen, aber ganz und gar frei von Ängsten werde ich wohl nie sein. Ich war schon immer ein lebensfroher und enthusiatischer Mensch, aber ich werde auch immer ein Mensch sein, der sich Sorgen macht, zweifelt und auch mal schlechte Phasen hat. Zu glauben, dass dies ab einem bestimmten Punkt einfach aufhören würde, ist zwar hoffnungsvoll aber leider unrealistisch. Die Frage ist doch einfach nur: Wenn ich immer kleinere und größere Ängste haben werde, was heisst das dann für den Moment in dem ich lebe? Glück bindet sich nicht an Fristen und Zeitpläne. Es tritt nicht ein, wenn man dies oder jenes macht. Es ist eine Lebenseinstellung und für die kann man sich ebenso gut heute entscheiden, denn Ängste wird es in jedem Alter und Lebensphase geben.
Sicherlich kann ich mit meinen Worten nicht alles genauso gut mitteilen, wie ich es verstehe oder empfinde. Die Sache mit dem Glück ist beispielsweise schwer zu erklären. All meine Gedankengänge und Erkenntnisse habe ich über sechs Monate gesammelt, aber vielleicht geben sie euch ja einen Einblick was sich bei mir innerlich getan hat. Man sagt ein Auslandssemester verändert. Ich denke ich bin der gleiche Mensch geblieben, nur dass ich noch mehr ICH wurde, mich nun besser verstehe und auch versöhnlicher mit mir bin.
Was ich hier geschafft habe, war mein Tempo zu bestimmen. Zu Verabredungen zu gehen oder einen gemütlichen Abend mit mir zu verbringen so wie ich dazu Lust hatte und ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben, dass ich etwas verpassen würde. Madrid hat mich reifen lassen und brachte mir die wohl wichtigste Lektion bei: roter Lippenstift geht immer. Mittags wie nachts!

Kommentare:

  1. Danke für diesen Beitrag!

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  2. Sehr inspirierender Text :) ich hasse auch Ungewissheit, gibt nichts schlimmeres finde ich und plane auch immer gern alles usw. Aber manchmal geht das einfach nicht und man muss abwarten und gucken was passiert! Hab ich auch in Thailand gelernt, obwohl ich nur 2 Monate dort war.

    Liebste Grüße & eine schöne Restzeit wünsche ich dir!
    Jasmin von nimsajx.blogspot.de

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  3. Oooh du schreibst mir aus der Seele! Diese Ungewissheit ... und die Bewunderung für MEnschen, die das gut können.

    Schön, dass Du am End so wundervolle Erfahrungen gemacht hast und so zufrieden damit bist :) Für mich war mein Jahr in England auch absolut der finale Schritt zum 1) Erwachsensein und zum 2) auch mal locker machen und Dinge auf sich zukommen lassen.

    Wundervoll geschrieben, Liebes!

    Hab einen schönen Sonntag

    Maria

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  4. Sehr sehr schön geschrieben!
    Ich habe auch vor ein Erasmusjahr zu machen, wo und wann, das steht noch in den Sternen. Aber ich hab dein Jahr verfolgt und ich hoffe, dass ich auch meinen Ängsten dann so gut entgegentreten kann.
    Genieß die restliche Zeit!

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  5. Dieser Text ist inspirierend und wunderschön.
    Am liebsten würde ich sofort aufbrechen und auch die Welt entdecken! :-)

    Ganz liebe Grüße und eine schöne Restzeit wünsche ich dir,
    Janne

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  6. wirklich toller post!! und ganz viel respekt, dass du so persönliche dinge mit uns teilst :)
    ich war ein jahr lang in den usa, hab zwar nie diese anfängliche panik gehabt, aber ich bin auch sehr froh, dass ich in der zeit im ausland so wachsen durfte. und ich wurde ein anderer mensch ;) weniger faul, offener, unternehmungslustiger, und verständnisvoller.
    ich finde es immer interessant wie andere ihre auslandsaufenthalte empfinden, also nochmal danke für die einblicke :)
    liebe grüße aus wien, c

    http://twocupsofwanderlust.blogspot.com//

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  7. Wirklich toller Post. Danke dafür Coco!

    Ich möchte gerne nächstes Jahr auch für ein halbes Jahr ins Ausland gehen und habe momentan die gleichen Gedanken und Gefühle wie du zu Beginn.

    Aber du machst mir Mut es durch zu ziehen.

    Genieß die letzten Tage.

    Viele Grüße

    Jennifer

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  8. Der unerwartete Schlusssatz hat mich eben sehr schmunzeln lassen. Gibt dem Artikel nochmal eine sehr sympathische, etwas weniger strenge Note. Ich glaube, ich habe bei dir bisher immer still gelesen, aber ich lese schon sehr lange mit und finde dich einfach super! Du kommst total authentisch und herzlich rüber.
    Wie es aussieht, hast du in deinem Auslandssemester das Wichtigste gelernt - klar wird man immer mal Ängste haben, aber du hast jetzt gesehen, dass diese Ängste kein Hindernis sein müssen. Und dass man stolz sein kann, wenn man sie überwunden hat!
    Ich glaube, du hast mich jetzt inspiriert, auch so einen Fazit-Eintrag zu schreiben, ich war nämlich bis vor 3 Wochen im Auslandssemester in England und würde irgendwie auch mal gerne festhalten, wie ich das jetzt empfinde. Mir fällt noch schwer, es in Worte zu fassen, aber dank dir will ich es jetzt versuchen.
    Liebste Grüße,
    Sabine

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  9. Hach, so ein schöner Post. Allein schon diese Textstelle zu Beginn "...und die Winternacht an meinem Fenster klebt." Wie poetisch. Das muss ich mir aufschreiben. ;D
    Ich mag aber auch den Rest des Posts unheimlich sehr, deine offenen wunderschön gewählten Worte!

    Liebe Grüße,Sarah

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  10. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Ich weiß noch genau welche Angst du hattest und freue mich, dass es dir so wunderbar gefallen hat und dich noch mehr ins positive verändert hat. Ich muss mir nun auch bald bezüglich dem Erasmus Austausch Gedanken machen und mag daran gerade nicht denken, da alles gerade gut ist wie es ist...

    Drück dich!

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  11. Wirklich ein schöner Post. Ich habe auch so lange hin- und herüberlegt, eigentlich wollte ich unbedingt ein Auslandssemester machen aber letztendlich klappt es zeitlich leider nicht.

    GLG
    CHarlotte

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  12. Wirklich ein schöner Post. Ich habe auch so lange hin- und herüberlegt, eigentlich wollte ich unbedingt ein Auslandssemester machen aber letztendlich klappt es zeitlich leider nicht.

    GLG
    CHarlotte

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  13. Ich habe zwei Jahre lang hin und her überlegt ob ich work & Travel mache. Jetzt habe ich mich endgültig dafür entschieden. Und freue mich schon riesig darauf. Obwohl man die Ungewissheit hat...
    Liebe Grüße
    Belinda

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  14. Schöne, ehrliche und vor allem persönliche Worte. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht leicht war, das niederzuschreiben.
    Ich bin da ähnlich wie du. Zwar plane ich nicht immer alles sehr akribisch und bin auch recht spontan, aber ich hab auch immer unglaubliche Angst vor Situationen, die ich nicht einschätzen kann und bei denen ich nicht die leiseste Ahnung habe, was auf mich zukommt. Und weil ich eher ein Pessimisst bin, male ich mir natürlich immer das Schlimmste aus ;) Ich brauche definitiv mehr Gelassenheit. Und mehr Vetrauen in mich selbst. Das ist wahrscheinlich das, was mich in unvorhersehbaren Situationen sicherer machen würde.
    Für ein Auslandssemester ist es bei mir ja leider zu spät. Und ich bin mir sicher, das werde ich immer bereuen.

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  15. Hey Coco,

    ich habe es jetzt nach einigen Monaten auch endlich geschafft, einen Bilanzeintrag für England zu schreiben. Wenn ich deinen lese, bin ich wieder unzufrieden, weil ich irgendwie nicht halb so herzlich und sympathisch klinge, aber naja :D Ich hab deinen Eintrag als Inspiration erwähnt, vielleicht magst du es dir ja mal anschauen:
    http://everydaysoap.net/lifestyle/abenteuer-auslandssemester-oder-der-mensch-der-ich-geworden-bin

    Liebe Grüße,
    Sabine

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  16. Danke für deinen Beitrag! Das macht Mut :-)

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  17. Super schöne Fotos! Toller Blog!
    http://auslandssemestertw.blogspot.de

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