Freitag, 10. Januar 2014

Von der dritten Wohnung und meinem endgültigen Heim in Madrid

Kaum zu glauben, aber mein Auslandsaufenthalt neigt sich schon dezent dem Ende entgegen. Wo ist die Zeit geblieben? Als ich noch ein so unwissendes Mädchen war, ob der Dinge die mir hier wiederfahren werden.
Doch bevor ich meinem Erasmusjahr Lebewohl sage, bleibt uns noch ein klein bisschen Zeit übrig. Gute eineinhalb Monate um genau zu sein. Und so nutze ich diese Restzeit und zeige euch Einblicke in meine dritte Erasmuswohnung, bevor ich hier schon wieder ausziehe.
Wer sich noch an den letzten Wohnungbeitrag erinnert, der weiß, dass ich aus meiner 1. Bleibe auszog, da ich diese nur für den ersten Monat als Einstieg gemietet hatte, um in meine 2. Bleibe, einer wirklich schönen Wohnung einzuziehen. Nach nur einem Monat in dieser hellen und wirklich fabelhaften Unterkunft, wurden meine Mitbewohnerinnen aus der Wohnung geschmissen. Die Wohnung müsse geräumt werden und wir könnten da nicht mehr wohnen hieß es. Traurig um unser liebgewonnenes Heim, aber wir waren auch froh, den, wie sich herausstellte, furchtbaren Vermierter, der unangemeldet in unsere Wohnung kam und stets die Sauberkeit und Ordnung überwachte, hinter uns zu lassen. Noch heute muss ich den Kopf schütteln wenn ich an diesen Menschen denke, der sich in seinem ganzen Verhalten aggresiv und abwertend benahm. Heute kann ich glücklicherweise laut darüber lachen und nehme es als eine sehr lehrreiche Erfahrung in meinem Leben. In der Zeit, in der wir uns innerhalb von zwei Wochen eine neue Wohnung suchen mussten, sah dies anders aus.
Ich fühlte mich orientierungslos und überrumpelt. An die Situation ausgeliefert und unter enormen Druck eine neue Bleibe für drei Mädchen zu finden, denn da meine Mitbewohnerinnen und ich uns so gut verstanden, wollten wir unbedingt zusammen bleiben und nicht mehr auseinander gerissen werden. Ein Auslandssemester ohne die beiden konnte ich mir nicht mehr vorstellen.
Ein Marathon aus Wohungsbesichtigungen und Vorstellgesprächen begann und in Rekordzeit (nur 10! Tagen) unterschrieben wir schließlich den Mietvertrag für unsere Wohnung. Wieder in La Latina, meinem Lieblingsviertel.
Bis dato musste noch so manche Klippe umschifft werden. Nachts wühlte ich mich mit einer Freundin, die Jura studiert durch die Tücken unseres Mietvertrages, nach dessen erster Version, wir keine Besucher hätten empfangen dürfen oder wir hätten Strafe zahlen müssen, wenn wir vor August 2014 ausgezogen wären (wohlbemerkt unser Mietvertrag läuft nur bis zum Juni 2014). Wir eröffneten Bankkonten, bestellten Internet und fuhren vollbepackt zu Ikea, da wir in der neuen Wohung keine Lampen hatten. Aber wir haben es geschafft und all der Frust und die Anstregungen waren mit dem Einzug in die Wohung vergessen
Wir mieteten uns also eine eigene Wohung, nicht nur ein Zimmer in einer WG, und nun sind wir stolze Besitzer unseres eigenen Domizils in Madrid. Wenn das nichts ist! Und das Beste daran: es kommt kein Vermiter unangekündigt herein, wenn wir dem nicht zustimmen! Ich kann nun voller Freude sagen, dass ich in Spanien überleben kann. Ich kenne mich mit dem spanischen Mietrecht aus, eröffne Konten wie ein Profi, kenne die günstigesten Internetanbieter und vereinbare Termine mit Elektrikern, da unser Herd zu Beginn nicht funktionierte. Wenn das nicht Lebenserfahrung ist, dann weiß ich auch nicht.
Zugegeben unsere alte Wohnung war schöner und heller, aber diese hier ist unser kleines Heim geworden. Mit gemütlichen Sangrianächten in unserem Wohnzimmer, Käsespätzlepartys in der Küche und gemeinschaftlichem Abschmiken nach Partys in unserem Badezimmer. Was macht es da, dass wir den Duschvorhang provisorisch mit 3 Anhängern verlängern müssen um nicht das Badezimmer in ein Schwimmbad zu verwandeln und wir nicht Backofen und Waschmaschine gleichzeitig betätigen dürfen, ohne dass die Sicherung durchknallt. :) Ich mag diese Wohnung und ich denke, sie mag uns auch.
Und mein Zimmer liebe ich sowieso. Besonders nachts, wenn die Lichterkette an ist und alles so gemütlich ist. Wunderbar ist auch, dass wir alleine 5 balkone haben, die alle nach außen gehen und nicht in einen dieser stockdusteren "patios" (kleine schlauchartige innenhöfe).
Um mir mein Zimmer ein wenig zu personalisieren, habe ich mir einige meiner Lieblingsgemälde aus dem Prado und Thyssen-Museum als Postkarten und Poster gekauft. Mein eigener Renoir für mich sozusagen.
Ein bisschen traurig werde ich schon, wenn ich daran denke mein kleines Zimmer und die Wohnung bald zu verlassen. schließlich ist es ein wunderbarer Rückzugsort. Die unwiederstehlichen Echtretro-Kacheln in unserer Küche, mein malerisch geschwungenr Balkon , der quietschende Kleiderschrank und das tolle alte Treppenhaus, in dem es immer nach Backwaren riecht, da unter uns eine Bäckerei ist. Es ist einfach wundervoll morgens mit diesem Geruch aufzuwachen. Und natürlich die Mädchen, die ich mit all dem hier verbinde und die Geschichte, die uns hierher geführt hat...

Kommentare:

  1. Liebe Coco,

    das ist ja ein wahrer Wohnungskrimi. Aber einer, in dem am Schluss die Guten siegen ... :o))
    Eure Wohnung sieht wunderschön aus! Um 5 Balkone beneide ich Euch richtig ... und dass Ihr Mädels Euch so gut versteht, ist sicher das Beste daran ... :D

    Mach Dir noch schöne anderthalb Monate in Madrid!
    GLG
    Helga

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  2. Hallo Coco,

    Was für eine schöne Wohnung und echt cool hat es so gut geklappt, auch wenn es Anfangs vielleicht stressig war so plötzlich was Neues finden zu müssen.

    Aber ich denke, gerade in solchen Situationen wachsen wir am meisten und können so viele wertvolle Dinge lernen.

    Die Fotos sind echt toll. :)

    Liebe Grüsse
    Nicky

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  3. Klingt nach einer "Wenn ich das geschafft habe, kann ich auch alles andere schaffen"-Erfahrung - klasse, wie ihr das gemeistert habt!

    Das mit der Sicherung, die Backofen und Waschmaschine zusammen nicht verkraftet, kommt mir irgendwie bekannt vor ;)

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  4. Sieht wunderschön und gemütlich aus!! :)
    LG
    Ela

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  5. Was für ein Glück ihr habt unglaublich! Freut mich aber natürlich :) & die Bilder sind wie immer wunderschön!

    Liebe Grüße
    Jasmin von nimsajx.blogspot.de

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  6. Ich freu mich sehr für dich, dass du endlich richtig in Madrid angekommen und deinen Rückzugsort gefunden hast :) Dein Zimmer sind unheimlich gemütlich aus. Und eure ganze Wohnung sieht so heimelig aus. Die Kacheln in der Küche finde ich sehr cool! :D
    Kaum zu glauben, dass in 6 Wochen schon alles vorbei ist. Genieß die Zeit!

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  7. Liebe Coco,

    es ist eine schöne Idee von dir, eure Wohnung zu präsentieren.
    Sie ist richtig gemütlich und deine Lichterkette am Bett gefällt mir sehr gut.

    Du hast Recht, das kann man eindeutig Lebenserfahrung nennen!
    Ich möchte ebenfalls in meinem Studium ein Auslandssemester absolvieren - diese einmaligen Erfahrungen und die abwechslungsreiche Auszeit kann einem keiner mehr nehmen.

    Ich wünsche dir noch eine schöne Restzeit, genieße es!

    Liebe Grüße,
    Janne von meeresrauschen

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  8. Auweia, was für ein Heckmeck... da bin ich aber froh, dass ihr drei Mädels zu guter letzt doch noch ein gemeinsames Heim gefunden habt. Und was für eins! Richtig schön und gemütlich sieht es bei euch aus.

    Was mich doch beruhigt: Ikea ist auf der ganzen Welt gleich. Den gleichen Tischläufer (mit den Birnen) besitze ich nämlich auch ;)

    Genieß die letzten Wochen!

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  9. Oh wie schön! Die Kacheln in der Küche sind toll! Krass dass du so viel herumgekommen bist! Jetzt kannst du dich ja jeder Herausforderung stellen ;)

    Liebe Grüße, Anna

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  10. Das hast du dir aber superschön eingerichtet :) Tolle Idee mit der Lichterkette über dem Bett, das will ich auch :)
    Ach ... hattest du das in der Wohnung davor nicht, dass man nicht Backofen + Waschmaschine gleichzeitig anmachen konnte? Bei uns damals (bzw. immer in Spanien, egal in welcher Wohnung) ist die Sicherung ständig rausgesprungen, auch beim kleinsten Gewitter ;)
    Und toll, sowas überstanden zu haben, oder? Man hat im Vorfeld und währenddessen ne echte Krisenzeit, aber im Nachhinein bringt einen sowas echt weiter! Toll gemeistert, Coco :)

    Liebe Grüße
    Steffi

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  11. Wow, wenn du so etwas selbst durchgestanden hast, kannst du wahrscheinlich überall auf der Welt auf eigene Faust durchkommen. Wohnungssuche in Madrid... Bin froh, wenn ich dort das übliche Kulturproramm absolviert bekomme, ohne einen Kulturschock zu kriegen. Mal sehen, nächstes Semster Steht für mich Erasmus in Aix-en-Provence an, da kommt sicher auch noch was auf mich zu.

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