Freitag, 30. August 2013

Von Pappkartons und emotionsgeladenen Tagen

!Hola! Jaja, ich lebe noch und ich melde mich aus dem knapp 1.800 km entfernten Madrid zurück. Viel ist passiert. So viel, dass es mein kleines Herz in den letzten Tagen völlig zum Rasen und schreckhaftem Stehenbleiben brachte. Und vor allem brachte es den Blog ein wenig zum erliegen. Hunderte Emotionen, Gefühle, Stress, Überraschungen, Aufgaben und Tränen strömten in der letzten Woche auf mich ein, sodass ich sicherlich sagen kann, dass dies eine der denkwürdigsten meines Lebens war. Aber beginnen wir von vorne. Schließlich habe ich euch ja versprochen, mich vor dem Aufbruch noch einmal mit einem Packenpost zu melden. Nun gut, ihr merkt, es hat nicht geklappt, keine 5min Ruhe blieben mir in der vergaganen Woche und so wird dies nun nachgholt. Beginnen wir Donnerstag Nacht.
Donnerstag 4:30: Wir haben mal wieder einen wunderbaren Abend mit L. und F. verbracht. Nach aufregenden Gesprächen über Roadtrips, mazedonische Hostals und die nahende Abreise endet der Abend um die gewohnte Uhrzeit...

Donnerstag 12:00: Aufstehen. Heute muss gepackt werden, damit wir morgen unser Hab und Gut in die Wohnung unterm Dachboden (im Haus meiner Mama) bringen können, die in den kommenden Monaten T.s zu Hause sein wird. Noch sieht unsere Wohung völlig normal und unverändert aus. Die Motivation liegt unterm Nullpunkt.

Donnerstag 16:00: Die erste Kiste mit Büchern wird gepackt. T. wettet, dass wir mit einer Autoladung hinkommen um alle Eigentümer in die neue Wonhung zu bringen. Ich zweifle am rationalen Verstand meines Freundes.

Donnerstag 16:45: Von den 10 Umzugskartons die wir in Verwendung haben, sind allein 6 für das Bücherregal und die DVDs drauf gegeangen. Wo soll bloß der ganze Rest hin?
Donnerstag 00:00: Ich sitze im Wohnzimmer und starre voller Unglaube und leichter Panik auf einen riesigen Berg an Habseligkeiten, die sich bis in die Mitte des Zimmers erstrecken. 10 Unzugskartons, 4 Ikeatüten, 3 Müllsäcke voll und 4 große Reisekoffer versprerren mir den Weg. Woher kommen diese ganzen Sachen?! Ich bin eigentlich kein Nippes und Krimskrams-Sammler, aber damit hätte ich nie gerechnet. T. zerreist derzeit unten im Keller in großem Wahn Kartons, damit wir etwas mehr Stauraum zur Verfügung haben.

Freitag 02:00: Todmüde fallen wir ins Bett, die Wohung fühlt sich anders an. Halliger und leer. Und dennoch ist nicht alles geschafft.

Freitag 08:00: Weiteres ein- und auspacken. Uns wird klar, dass wir niemals (egal in welchem Universum) nur mit einer Autofuhre all unsere Kisten, Koffer und Tüten von A nach B transportieren können. Mama muss helfen und auch ihr Auto zur Verfügung stellen.

Freitag 11:00: Im Umzugsoutfit und dem wohl hässlichsten Messybun werden die Autos beladen. T. schleppt eine gefühlte 120 kg Kiste nach der nächsten. Woher nimmt er diese Kraft? Ich übernehme da lieber die Logistik. :)
Freitag 12:30: Die Autos sind beladen. Bis unters Dach und in jeder noch so kleinen Nische stapeln sich Gegestände. Egal ob Schmuckschachteln, Küchentücher, winkende Queenfiguren oder Memorybookutensilien.

Freitag 13:00: Kaffepause auf der heimischen Gartenterrasse. Ein unverhoffter Moment der Ruhe.

Freitag 14:00: Das Einräumen der Dachbodenwohnung beginnt. Kleidung wird in Schränke geräumt, T. schiebt mir eine schwere Kiste nach der nächsten hinauf und zwischenzeitlich lässt es sich im Schlafzimmer der Wohung kaum noch bewegen. Ich bekomme einen leichten Anfall von "Ich-geh-jetzt-einfach-mal-schlafen-und-hoffe,-dass-sich-das-von-allein-regelt."

Freitag 16:00: Ausruhen ist nicht und von alleine regelt sich erst recht Nichts! Aber dafür bleibt die Frage, warum ich 3 zerissene Strumpfhosen mitgenommen habe?! Ab diesem Moment bleibt mir noch eine halbe Stunde um mich für ein Konzert am heutigen Abend fertig zu machen. Purer Stress, dass dieses Konzert auf den heutigen Tag fällt.

Freitag 17:00: Ich sitze mit passablem Liedstrich im Auto und düße in Richtung Bonn. Auf dem Kunstrasen unter freiem Himmel spielt heute Katzenjammer.

Freitag 20:00: Die Band kommt. Voller Energie, voller Talent. Ich vergesse den ganzen Stress, all die Gefühle, die Angst, die Sorgen, die To-do-Listen die in meinem Kopf hängen und schalte einfach mal ab. Ich genieße die Bässe die sich im blau rosanenen Abendhimmel verlieren. Ein wunderschöner Sommermoment.

Freitag 23:00: Vollkommen platt und erschöpft komme ich vor meiner nun ausgeräumten Wohung an. Der letzte Abend in unserem vier Wänden...
Freitag 23:02: Ich öffne die Tür und vor mir stehen, so viele bekannte Gesichter, die mir laut "Überraschung" entgegenrufen!!! T. hat eine Überraschungsabschiedsparty für mich oragnisiert, da ich es einfach nicht mehr schaffte eine zu planen. Alte Freunde & liebe Menschen tummeln sich in unserem nun leeren Wohnzimmer. Ich könnte weinen vor Rührung, aber es müssen zu viele Menschen begrüßt werden.
Samstag 03:00: Ziemlich betrunken tanze ich mit F. durch unser nächtliches Wohnzimmer. Am liebsten würde ich gerade alles wieder ausräumen und hier bleiben, so schön ist dieser Moment.

Samstag 04:00: Mein Bruder ist in unserem Bett eingeschalfen. T. und ich holen also die Ersatzmatratze aus dem Keller und verbringen die Nacht im Wohnzimmer.

Samstag 08.30: Wummernder Schädel und das furchtbare Wissen, dass die Wohnung noch komplett gesäubert werden muss. So eine Party hinterlässt Spuren und dannn müssen da noch alle Schränke und Schubladen, Staubwinkel, Kühlschrank und Badamaturen geputzt werden. Furchtbarer Gedanke.

Samstag 11:00: In mir macht sich Panik breit. In zwei Stunden wird die Wohung übergeben und noch gleicht sie einem Schlachtfeld an Putzmitteln und Müllsäcken. Vielleicht sollte ich doch nicht immer alles auf die letzte Minute besorgen...

Samstag 12:00: Mein Papa kommt mit dem Auto um letzte Gegenstände aus der Wohnung mitzunehmen. Wir sind jetzt bei drei Autofuhren. Und auch dieses Auto wird so voll, dass nur noch ich mitfahren kann. In gebückter Haltung, halb über dem Amaturebrett. So ein dummer Sitzsack nimmt einfach unglaublich viel Platz weg.

Samstag 13:00: Wohnungsübergabe. Unsere Untermieterin kommt und findet tatsächlich eine komplett saubere und ausgeräumte Wohung vor. Die Türe schließt sich und wir werden erst in einem halben Jahr zurückkehren. Byebye kleine Studentenwohung, ich schlucke eine kleine Träne herunter.
Samstag 15:00: Ich beginne damit meine Koffer zu packen. Was kommt mit? Was bleibt hier? Am Ende bin ich sparsamer als gedacht und ich merke welche Sachen für mich wirklich wichtig sind um in knapp 40kg verstaut zu werden. T. muss ja nur ein paar T-shirts mitnehmen.

Samstag 17:00: Meine Oma kommt vorbei um mir auf Wiedersehen zu sagen. Es werden Fotos geschossen, im strömenden Regen gegrillt, laut diskutiert (meine Familie ist ja soooo laut), gelacht, umarmt.

Samstag 23:00: L. und F. kommen nochmals vorbei. F. hat ein so wundervolles Geschenk für mich vorbereitet. Ein eignes kleines Buch mit Erinnerungen und schönen Collagen, das sie selbst hergestellt hat. Ich bin unglaublich gerührt, ob dieser wunderschönen Geste und muss bei so manchem Eintrag lachen. Was für wundervolle Freunde ich habe, verschlägt mir die Sprache.

Sonntag 02:00: L. und F. treten den Heimweg an. T. und ich fallen ins Bett. Während er in sekundenschnelle einschläft ist für mich in dieser Nacht an Schlaf nicht zu denken. Tausend Gedanken, Emotionen, Erinnerungen, Fragen, Ängste, Hoffnungen, Zweifel, Ungewissheiten und Dankbarkeit geben sich in meinem Kopf die Hand uns lassen mich kaum zur Ruhe kommen. Was wird kommen?
Sonntag 09:00: Gerade habe ich meinen Bruder verabschiedet. Ich sitze beim Frühstück und bekomme kaum einen Bissen herunter. Meine wunderbare Familie versucht mich abzulenken, was ihr auch zuweilen gelingt.

Sonntag 11:00: Die letzten Gegenstände werden im Koffer verstaut und verschlossen. Die Betten werden gemacht und ich beginne meinen Abschiedsgang durch unser Haus. Draußen wechselt ein grauer Himmel in noch grauere Töne.

Sonntag 13:00: Ich sitze im Auto und brause vorbei an Feldern und Wiesen auf den Flughafen zu. Vor mir meine Eltern, neben mir T. der mir verständnissvoll in die Augen blickt. Wann immer meine Augen wieder in Tränen verschwimmen, drückt er meine Hand. Regen läuft an der Fensterscheibe entlang.

Sonntag 15:00: Die Koffer wurden aufgegeben. Viele ermunternde Worte, liebevolle Umarmungen folgen. Ich realisiere das irgendwie alles noch nicht. Ist heute wirklich der Tag, auf den ich so lange hingearbeitet habe?

Sonntag 17:00: Unser Flieger startet. Ich verlasse heimischen Boden um nach knapp zwei Stunden in meinem neuen Wohnraum anzukommen. Die Augen brennen und sind rot. Zum Glück begleitet mich T. noch für eine Woche. Ich bin ihm gerade unglaublich dankbar dafür.

Sonntag 19:30: Landung. Wärme, steppenartiges Gras, Sonnenuntergang. In Madrid waren es fast 30°C den Tag über und die Luft ist so warm, dass ich keine Jacke mehr brauche. Wir beginnen unsere Fahrt vom Flughafen in die Innenstandt. Mit mehreren Malen umsteigen, vielen Treppen, schweren Koffern und stickigen Metrostationen.
Sonntag 21:00: Wir kommen an unserer Metrostatio La Latina an. Da fällt mir ein, dass ich wohl mal besser vorher in Erfahrung gebracht hätte, wie man von dort aus zur Wohung kommt. Aber dank Google Street View und einem freundlichen Taxifahrer kann ich mich an die ein oder andere Stelle erinnern und wir kommen knapp 15 min später in meiner neuen Wohung an.

Sonntag 21:15: N. (mein Mitbewohner) ist ein freundlicher Kubaner. Dunkelhäutig, Dreadlocks, Vegetarier und Musiker. Er scheint sehr entspannt zu sein. Mein Zimmer ist hübsch. Die Küche ist nicht unbedingt so mein Fall. Dirket erprobe ich im Smalltalk mein Spanisch. Check!

Sonntag: 22:30: T. und ich erkunden ein wenig mein Viertel und kaufen schließlich beim Shop um die Ecke nur noch etwas Wasser und Cracker. Um wie geplant Essen zu gehen, sind wir einfach zu platt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir um 12 Uhr vollkommen erschöpft auf der zu kurzen Matratze in meinem neuen Zimmer wegschlummern, während unter uns die Madrilenen einen Lärmwettbewerb starten.

Eure Coco

Kommentare:

  1. Ich konnte die Emotionensachterbahn wirklich spüren. Ich wünsche dir einen großartigen Start! Genieß das halbe Jahr in vollen Zügen und hab vor allem richtig viel Spaß (auch wenn es sich im Moment vielleicht noch nicht so anfühlt).
    Liebste Grüße, Eva

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  2. Wundervoll erzählt hast Du das. Und das T. Dich noch eine Woche begleitet ist wirklich wunderbar - mein Freund hat mich damals einfach relativ emotionslos ziehen lassen und die Beziehung hat das Jahr auch nicht überlebt. So wie bei euch klingt das schon sehr viel besser :) Ich wünsche Dir eine wundervolle Zeit und freue mich SO sehr auf zukünftige Posts! Juhuuu!

    Liebste Grüße
    Maria

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  3. Ich wünsche Dir eine unendlich schöne Zeit! :)

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  4. Oh - ich habe so oft Abschied genommen, und konnte Dir so mitfühlen. Was treibt Dich noch mal nach Madrid? Auch wenn es jetzt abgedroschen klingt, 6 Monate sind so schnell rum! Und dann musst Du wieder Abschied sagen und es werden wieder Tränen fliessen ;). Aber Du hast dann auch einen neuen "Heimatort" für Dich gewonnen und das wird Dir keiner nehmen.

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  5. Hach ich möchte auch so gerne los! Das klingt nach einer tollen Zeit, die da vor dir liegt! Ich wünsche dir einen wundervollen Start und nur das Beste für die kommenden Monaten. Du wirst sie sicher auskosten und genießen!

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  6. Madrid ist eine wundervolle Stadt! :) Meine Schwester hat auch in der Nähe von La Latina gewohnt - gute Gegend :) Ich wünsche dir einen guten Start ins neue Semester, wird sicher sehr aufregend! :) viele liebe Grüße,
    Petra

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  7. Das klingt genauso wie bei mir immer. Ich habe zehn minuten vorher die Wohnung für die neue Mieterin fertig gehabt und hatte zwischendurch so ein Gefühlschaos mit Tränenausbrüchen, dass ich dachte, die Welt bricht zusammen.

    Es ist schön, dass dich T. für eine Woche begleitet hat :-) Ich hoffe es geht dir gut liebe Coco :)

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