Sonntag, 19. August 2012

See aus der Kindheit

Hitzewelle, Sonnenbrillen und Asphalt der in der Sonne flirrt. Stöhnt ihr gerade unter der heißen Luft aus Afrika? Heute soll der heißeste Tag des Jahres sein und das Quecksilber soll bis zu satten 40°C klettern. Eine Abkühlung tut da gut, egal ob mit Eis, einen kalten Gals Campari Orange oder einer Wanne gefüllt mit klirrend kaltem Wasser in das ihr eure Füße haltet. Die Abkühlung kommt auch mental, hier  und heute auf meinem Blog mit dem heutige Post.
Ich war diese Woche am See und es war so wundervoll, dass ich euch unbedingt davon berichten muss!
Zu diesem See gibt es einen Vorgeschichte und dadurch wird er für mich so besonders. Dieser See erinnert mich an einen Sommertag aus der Kindheit von dem ich nicht wusste ob er Traum war oder real. 
Ich war damals sieben Jahre jung, es war ein Sommer der so stereotypisch nach Kindheit schmeckte. Rasensprenklerhüpfen im Garten, dreckige Füße im Haus und Multivitamineis auf der Zunge. An einem Abend fuhren meinen Freundinnen und ich mit zu besagtem See. Unser Nachbar fuhr mit uns wunderbarerweise dahin. Das Einsteigen in das kleine Auto in dem die Hitze hing, da es den ganzen Tag in der Sonne stand, das prickeln der Hitze auf dem Gesicht und das schnelle herunterkurbeln der heißen Fenster. Wir brausten los in die Abendsonne und ich sehe noch das Bild vor mir wie ich meine Nase vom Rücksitz aus aus dem Fenster steckte um den kühlen Fahrtwind zu genießen. Es war für mich damals die beste Autofahrt. Es war Sommer, es war heiß und in mein Gesicht blies der frische, kühle Wind. Ich wollte kaum, dass der Wagen langsamer wurde. 
Wir fuhren an Feldern vorbei, rollten auf einen Weg der mitten in einem Gebüsch lag und marschierten los. Vorbei ging es an Brombeerbüschen, an denen wir uns die Bäuche vollstopften und durch das Unterholz das unter unseren Kinderfüßen knackte. 
Wir schlitterten Abhänge hinab und kraxelten an Höhen herauf, wir fühlten uns wie Indianer auf Kriegspfad oder Ronja Räubertochter.  Schließlich kamen wir zum See, der , dadurch das er versteckt zwischen Sträuchern und kleinen Wäldern liegt, ziemlich einsam war.  Es war eine Wonne, der See war klar und frisch und kühl. Springen, schwimmen, tauchen, jauzen und johlen. Ich weiß, dass ich es geliebt habe. Nach Stunden voller Glück ging es wieder zurück an den Brombeerbüschen vorbei, mit nassen Haarspitzen die an den Schultern klebten und dem erschöpften aber glücklichen Gefühl, das Kindern innewohnt, wenn sie sich freudig im Wasser verausgabt haben.
Seither war ich nie wieder an diesem See, Jahre gingen ins Land und ich habe das Erlebnis vergessen. Nun waren die letzten Tage aber so heiß, dass ich unbedingt schwimmen wollte. Für mich gibt es kaum etwas schöneres als mich vom Wasser tragen zu lassen, schwerelos zu schweben und von Kopf bis Fuß in das kühle Nass zu tauchen. Ich wollte in keine Badeanstalt, keinen überfüllten See. Ich hasse diese Seen, um die Sand geschüttet wurde und Palmen gepflanzt wurden. Sie sind überlaufen, nicht mehr natürlich und ich habe keine Lust auf dieses Karibik-Feeling, wenn ich doch in wirklichkeit nur an einem Kölner See liege. 
Ich mag es wenn Seen natürlich sind, mit Kriesbett und kleinen spitzen Steinchen, wenn man Frösche quacken hört, man sich in Buchten verlieren kann und sie einsam sind.
Mir fiel dieser See ein, doch es war soviel Zeit vergangen, dass ich dachte es wäre alles nicht wirklich passiert. Kennt ihr dieses Gefühl? Ein Erlebnis, ein Lied oder  Gegenstand aus eurer Kindheit, den ihr vergessen habt. Nicht wirklich vergessen, sondern nur ganz tief hinten in eurem Gedächtnis unter vielen anderen Dingen begraben und von dem ihr dann nicht mehr wisst ob es wirklich passiert ist und ob es das wirklich einmal gab. 
Ein komisches Gefühl, es lässt einen krübeln und verwirrt. Ich dachte dieser abendliche Ausflug an den See wäre ein Traum gewesen, den ich als Kind einmal hatte. Aber ich konnte mich doch noch so gut an  alles erinnern. Es kam mir zwar unendlich weit weg vor, aber ich hatte noch so viele Bilder in meinem Kopf, konnte das bei Träumen so sein? Ich musste meine Mama fragen und sie konnte sich auch erinnern.  Diesen See gab es tatsächlich, er war kein Auswuchs meiner nächtliche Kinderträumer gewesen!
Also ging es für mich nach knapp 14 Jahren diese Woche wieder zu diesem See. Vieles habe ich wiedererkannt, bin an Brombeerbüschen vorbeigegangen habe mich zu See hintuntermanövriert und wie damals in der gleichen Einbuchtung unsere Decke aufgeschlagen. Es war ein komisches, gutes Gefühl, dass dieser Ort noch so existierte. Nur wenige Menschen, die gleiche Umgebung, wieder abends; nur vierzehn Jahre später. 

Alles Liebe, Coco

Kommentare:

  1. Schön geschrieben! Und schöne Bilder (:

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  2. Schöne Fotos! :) Ich finde es schön, wenn man alte Kindererinnerungen wieder aufleben lässt!

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  3. Sooo ein wundertoller Post! Die Farben der Fotos, dein Text... wie ein Sommermärchen... okay, der Begriff ist inzwischen untrennbar mit Fußball verbunden, aber deinen Post hier finde ich viel sommermärchenhafter als alle Tore unserer Jungs zusammen ;D

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